Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung
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Ortsgemeinschaft KKV HANSA Münster

Stadtheimatpfleger zu Gast beim „Abend am Kamin“

Stadtheimatpfleger-HeidbrinkFür den traditionellen „Abend am Kamin“ im Mühlenhof hatte der KKV den Stadtheimatpfleger, Herrn Heinz Heidbrink eingeladen, der die „Kernthemen moderner Heimatpflege“ in seinem Vortag vorstellte. Der Abend begann mit einer tech­nischen Panne, die für viele Refer­enten normalerweise den „Super­GAU“ bedeutet: Eine wohlvorberei­tete Power-Point-Präsentation wurde vom Beamer nicht auf die Leinwand gebracht. Heidbrink machte das Beste aus der Situa­tion, und vielleicht wurde der Abend nicht trotz, sondern wegen dieser Panne so lebendig. Für diesen Bericht hat er uns seine PowerPoint-Dokumente überlassen. Dafür sei ihm ausdrücklich noch einmal gedankt. Die Kernthemen wurden bildlich mit einem Foto vom Monitor des Note­books eingeleitet, und von Beginn an gelang es Heinz Heidbrink, seine Zuhörer einzubeziehen – hier kam ihm natürlich eine jahrzehntelange Erfahrung als Lehrer zugute.

Nachdem der diensthabende Kiepenkerl die Gäste mit ein paar launigen Wor­ten begrüßt hatte, eröffnete der Vorsitzende Bernhard Günther den Abend: „Sehr geehrter Herr Heidbrink, liebe KKVerInnen, herzlich darf ich Sie und Euch zum ‚Abend am Kamin‘ begrüßen. Das Thema dieses Abends lautet: ‚Kernthemen moderner Heimatpflege in Münster‘ In gemütlicher Runde am Kamin wird zu diesem Thema einiges zu sagen sein. Herz­lich danke ich in aller Namen Herrn Heidbrink – er ist Stadtheimatpfle­ger -, dass er unsere Einladung angenommen hat.
Das Wort Heimat und seine Bedeutung sind für unsere Generation auch heute noch ein Begriff. Ich meine, vielleicht irre ich mich auch, dass das Wort Heimat in der heutigen Zeit nicht mehr die Bedeutung und den Zuspruch erfährt, wie es in der Vergangenheit der Fall gewesen ist. So stellt sich auch die Frage, was man unter Heimatpflege versteht. Ich bin sicher, dass es sich um ein umfangreiches Aufgabengebiet handelt, das sich nicht auf Folklore und Heimatabende beschränkt. Welche Kernthemen sind die Grundlage einer modernen Hei­matpflege, speziell bezogen auf die Stadt Münster. Sehr geehrter Herr Heidbrink, wir freuen uns auf Ihre Ausführungen.“Abend-am-Kamin-1
Der Vortrag begann mit der grundsätzlichen Frage, was denn überhaupt Heimat sei. Angeboten wurden vom Referenten typische Münsterbilder: Schloss, Hafen, Prinzipalmarkt. Dazu ein paar Kriterien aus einer sozio­logischen Erhebung, die aufzählten: Heimat ist der Ort, an dem Familie und Freunde leben, ich wohne, ich akzeptiert werde, ich aufgewachsen bin, ich mich engagieren kann, ich geboren bin, es viel Natur gibt, meine Eltern geboren sind. Die Zuhörer stellten übereinstimmend fest, dass der Heimatbegriff sehr individuell, aber durchweg mehr-dimensional ist und viele Facetten enthält. Besonders lebhaft wurden die Beiträge, als Heidbrink ein typisch münstersches Beispiel, das Lambertussingen, erwähnte.
Nun zu den Kernthemen der Hei­matpflege in Münster. Der Stadt­heimatbund, der aus 35 Mitglieds­vereinigungen besteht, zählt in seinem Flyer u.a. folgende Ziele auf: beizutragen zur Weiteren­twicklung Münsters als Stadt der Wissenschaft und Lebensart; im zusammenwachsenden Europa Münsters Identität zu stärken und Münster zu einer erfolgreichen, weiterhin lebenswerten Stadt in der Region zu machen; beizutragen, dass Münster die in der Geschichte und Tradition entwickelten Stärken auch für die Zukunft entfaltet. Die Aktivitäten, die zu diesen Zielen führen sind umfangreich und vielfältig. Heinz Heidbrink konzentrierte sich in seinen Ausführungen auf zwei Kernthemen: Die Entwicklung Münsters als Stadt des Westfälischen Friedens von 1648 und als Friedensstadt heute und die Bewahrung der niederdeutschen Kultur insbesondere der niederdeutschen (plattdeut­schen) Sprache.
So fanden in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft des Oberbür­germeisters Markus Lewe vom 7. September bis zum 25. Oktober die 35. Münsterschen Kultur- und Heimattage und zugleich die Niederdeutschen Tage Münster 2013 statt. Den krö­nenden Abschluss bildete am 25. Oktober das Historienspiel zur Verkündung des Westfälischen Friedens von 1648 im Rathaus-Innenhof. Zum ersten Male wurde die Friedensbotschaft auf der Chillida-Skulptur getanzt.
Zur Pflege der Niederdeutschen Kultur tragen seit langem die Niederdeutsche Bühne in Münster bei, die auch in finanzieller Hinsicht sehr erfolgreich sind, hat sie am Stadt­theater den höchsten Kartenverkauf aller städtischen Bühnen. Ein großes Ziel des Stadtheimatbundes ist die Einrichtung plattdeutscher Kurse an den Schulen, wobei diese nach den Gesichtspunkten moderner Didak­tik und Methodik wie Fremdsprachenkurse gestaltet werden sollen. Ein Curriculum-Entwurf von Prof. Spiekermann für einen Schulversuch liegt vor. Im Kreis Warendorf wird der Unterricht in Plattdeutsch von einem Pharmakonzern gesponsert.
Ein hochinteressanter Kaminabend ging mit herzlichem Beifall für den Referenten zu Ende und zeigte, dass man auch ein vermeintlich sprödes Thema durchaus attrak­tiv, ja sogar unterhaltsam gestalten kann, wenn man von seiner Sache überzeugt ist und diese Überzeugung auf das Publikum überspringen lassen kann, wie es dem Referenten gelungen ist. In seinen Dankesworten zum Schluss kündigte Bernhard Günther eine Spende des KKV Hansa für den Stadtheimat­bund an, da Heinz Heidbrink mit Hinweis auf seine ehrenamtliche Tätigkeit jedes Honorar abgelehnt hatte.Abend-am-Kamin-2