Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung
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Ortsgemeinschaft KKV HANSA Münster

Mutter Annas langer Weg zurück in den Hansahof

Alte Sulptur wieder aufgetaucht

Skulptur-Mutter-AnnaVor einigen Monaten erhielt Bernhard Günther von den Geschwistern Witte aus Münster die Mitteilung, dass sich in ihrem Besitz eine eich­ene, ca. 100 cm große Rundplastik, eine Darstellung der Mutter Anna mit Maria, befinde, die sie dem KKV zurückgeben wollten. Das weckte natürlich das Interesse unseres Vorsitzenden, und hier ist die Geschichte dieser Figur, die auch eng mit der Chronik unserer Hansa nach dem Krieg verbunden ist. Dazu schreiben die Geschwister Witte:
„Wie kam die Skulptur in unsere Familie? Unser Vater, Johannes Witte, geb. 7.05.1889, gest. 19.12.1973, war nach seiner Berufsausbildung 1908-1959 zunächst als Buchhalter, später als Prokurist für die Großhandelsfirma „Revermann und Haussmann“ hauptamtlich tätig. Er war Mitglied im KKV, gehörte zu den Gründungsmitgliedern und war ehrenamtlich Kassen­wart des KKV, auch Mitglied in der Gesangsabteilung des Vereins.
1924, nach seiner Heirat, bezog er im linken Flügel des Hansahofes eine Wohnung und übernahm ehrenamtlich die Hausverwaltung. Seine Freizeit opferte er gern dem Verein. Wir Kinder übernahmen kleinere Auf­gaben, z.B. Vorgartenpflege. Mit den Bewohnern des Hauses und zu den KKV Mitgliedern hatten wir gute Kontakte.

Der kath. kaufmännische Verein (KKV) Mün­ster im Bundesverband des KKV erwarb 1919, die dreiflügelige Anlage Lütkegasse 5 in Münster. Im Mitteltrakt befand sich eine Gaststätte mit einem großen Biergarten und einem Gewölbekeller. Es gab einen Eingang zur Lütkegasse und einen Zugang zum Aegidiikirchplatz. Im Schankraum der Gast­stätte stand die Skulptur der Mutter Anna. Auf Wunsch von Pfarrer Rosen, St. Aegidii, errichteten wir zu Prozessionen einen Altar (auf dem) Aegidii-Kirchplatz mit der Mutter Anna. Wir mussten als Kinder stets dabei helfen, zeitweise war es unsere Aufgabe den Altar zu bewachen. Wir kannten die Skulptur gut.
Durch Luftangriffe im 2. Weltkrieg Okt.1943 und 1944 verlor der KKV sein Vereinshaus Hansahof, zunächst den rechten, dann den linken Flügel und den Mitteltrakt. Die gesamte Anlage war nicht mehr be­wohnbar. Wir bezogen nach Notunterkünften eine Wohnung in der Melcherstraße.
Im kalten Winter 1944/45 stellte uns unsere Großmutter einen Bollerwa­gen zur Verfügung, und mein Vater und ich zogen von der Melcherstraße zur Lütkegasse, um noch einmal nach Hab und Gut zu suchen. Die Mauerreste waren inzwischen eingerissen, die Ruine nur durch den Rothenburg-Durchgang zu erreichen. Wir wollten die Suche schon aufgeben, da entdeckte ich ein von Deckenlehm eingehülltes tief im Ge­mäuer sitzendes Holz. Weil es sehr fest saß, wollte Vater es nicht frei­legen. Ich erkannte aber sofort, es musste etwas Besonderes sein und zu meiner Freude, war es die Mutter Anna. Wir legten sie auf den Boller­wagen und zogen sie zur Melcherstraße. Zu der Zeit war die Altstadt sehr stark zerstört, es lebten nur noch 20.000 Einwohner in der Stadt. Wir haben die Skulptur gereinigt und sie im Einvernehmen mit dem KKV im Wohnzimmer aufgestellt. Der KKV hatte sein Vereinhaus verloren und keine Möglichkeit sie zu übernehmen. Siehe dazu Schreiben des KKV vom 1.07.1945.“
Ueberlassungsschreiben-Skulptur


Zurzeit ist die Skulptur in unserem Archiv gelagert, der Vorstand hat aber beschlossen, sie wieder im Gastraum des Hansahofes aufzustellen. Der Vorsitzende des Mieters Seniorentreff Hansahof e.V. hat sich be­reits positiv zu unserem Ansinnen geäußert. Es gilt nun, den richtigen Platz im Gastraum zu finden und so für diese so geschichtsträchtige Skulptur einen würdigen Rahmen zu bereiten. So werden sicherlich noch viele Menschen viele Jahre ihre Freude an ihr haben. Eine würdige Repräsentantin unseres KKV Hansa Münster.